Erdbeben in Palästina und Israel

Von Syrien bis zum Golf von Akaba zieht sich eine bedeutsame Erdbebenzone. Die gesamte Region ist nicht nur ein altes Kulturland, sondern spielt auch in der Bibel eine zentrale Rolle. Möglicherweise sind einige biblische Ereignisse – wie der Einsturz der Mauern von Jericho – eigentlich auf tektonische Beben zurückzuführen. Viele Mythen und historische Zusammenhänge werden sich vermutlich nicht mehr eindeutig klären lassen.

Tektonische Ursachen

Die Totes-Meer-Verwerfung (oder „Jordangraben“) ist ein rund 30 Millionen Jahre alter Grabenbruch. Hier verläuft auf einer Länge von etwa Tausend Kilometern die Grenze zwischen der Arabischen Erdplatte im Osten und der Afrikanischen Kontinentalplatte im Westen. Die Arabische Platte bewegt sich nach Nordosten und schrammt dabei an der Eurasischen Platte entlang, sodass sich immer wieder Spannungen in der Erdkruste aufbauen und sich anschließend als Erdbeben entladen.

An dieser markanten Verwerfung sind Teile der Erdkruste eingebrochen und liegen bis zu 400 Meter unter dem Meeresniveau. Damit handelt es sich um die tiefstgelegenen Stellen auf der festen Erdoberfläche. In der tiefen Rinne hat sich der Fluss Jordan sein Bett gesucht. Auch das Tote Meer und der See Genezareth liegen im Jordangraben.

Ausgewählte historische Erdbeben

Die in der Karten markierten Epizentren folgen dem Jordangraben von Süden noch Norden. In der Regel haben schwere Beben nicht nur auf israelisches und palästinensisches Territorium Auswirkungen, sondern auch auf die Nachbarländer wie Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten.

Erdbebenkarte von Israel:


A: Galiläa (18. Mai 363)
B: Ramallah (10. Dezember 1033)
C: Eilat, Ramla (20. April 1067) – Magnitude 6,5b
D: Nablus und Syrien (20. Mai 1202) – Magnitude etwa 7,6
E: Safed/Nord-Israel (10. Oktober 1759) – Magnitude 6,6

Besonders schwere Beben

Die Berichte über Erdbeben in der römischen Provinz Palästina gehen zurück bis vor Christi Geburt. Erfahrungsgemäß sind die historischen Quellen aus jener Zeit recht unzuverlässig, vor allem was die genaue Lokalisierung und die Opferzahlen angeht. Oft wurden die Erdbebenfolgen drastisch übertrieben dargestellt.

Als im Jahr 1033 n.Chr. ein heftiges Erdbeben Palästina erschütterte (Markierung B), war das Land nicht mehr römisch, sondern eine Provinz des Islamischen Kalifats. In Ramallah, Nablus, Gaza und anderen Orten sollen seinerzeit rund 70.000 Menschen gestorben sein. Sehr mysteriös ist die Opferzahl des Bebens aus dem Jahr 1202 (Markierung D). Die „Schätzungen“ schwanken zwischen 30.000 und 1,1 Millionen. Die Wahrheit dürfte allerdings eher am unteren Ende dieser Spanne zu suchen sein.

Mehrere starke Erdbeben erschütterten 1759 das nördliche Israel und angrenzende Regionen (Markierung E). Bis zu 20.000 Menschen starben.

Totes-Meer-Verwerfung

Totes-Meer-Verwerfung – By Mikenorton (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons