Erdbeben in Afghanistan

Vermutlich schon seit Menschengedenken wird das gebirgige Afghanistan von Erdbeben heimgesucht. Die Aufzeichnungen reichen in dieser abgelegenen Erdregion aber nur wenige Jahrzehnte zurück, sodass über frühere Beben nur spekuliert werden kann.

Tektonische Ursachen

Afghanistan befindet sich in einer tektonisch sehr instabilen Region. Das Land liegt auf der Iranischen Erdplatte, die östlich gegen die Indischen Platte drückt. Die Plattengrenze verläuft teilweise entlang der Landesgrenze zu Pakistan. Die größte Erdbebengefahr besteht offenbar im Osten Afghanistans. Hier im Hindukusch türmen sich auch die höchsten Berggipfel des Landes (über 7000 Meter). Auch die angrenzenden Provinzen Pakistans und Indiens (Kaschmir) sind von Erdbeben gefährdet.

Im Falle einer Katastrophe erweist sich die schlechte Infrastruktur des Landes als negativ. Viele Bergorte lassen sich kaum mit dem Auto erreichen. Wie sich bei verschiedenen Unglücken (zum Beispiel Bergrutschungen) gezeigt hat, brauchen Helfer manchmal Tage um zu den betroffenen Orten vorzudringen. Weiterhin fehlt es im armen Afghanistan an Einrichtungen für Telekommunikation, Strom- und Wasserversorgung, was Hilfsmaßnahmen weiter erschwert.

Ausgewählte historische Erdbeben

Erdbeben in Afghanistan
A: Rostaq (4. Februar 1998) – Magnitude 5,9
B: Badakhshan (30. Mai 1998) – Magnitude 6,6
C: Nahrin (25. März 2002) – Magnitude 6,1
D: Faizabad (26. Oktober 2015) – Magnitude 7,5

Besonders schwere Beben

Im Jahr 1998 (Markierung A und B) wurde Afghanistan in kurzer Zeit von zwei Erdbeben getroffen, die insgesamt fast 7000 Menschenleben forderten und etwa 60.000 obdachlos machten. Am 3. und 25. März 2002 folgte ein weiterer Doppelschlag, wobei das Beben vom 25. März (Markierung C) weitaus folgenreicher war, da es über 1000 Menschen tötete. Gemessen an den Todesopfern war das Beben vom Oktober 2015 eher ein begrenztes Ereignis.

Am 26. Oktober 2015 wurde der Nordosten Afghanistans sowie die angrenzenden Staaten Pakistan, Tadschikistan und Indien von einem starken Erdbeben getroffen. Die Magnitude lag bei etwa 7,5. Vermutlich sind in der abgelegenen Bergregion des Hindukusch über 400 Menschen ums Leben gekommen. Der Erdbebenherd lag in großer Tiefe – bei einem Ereignis näher an der Erdoberfläche wären vermutlich deutlich mehr Menschen gestorben.