Erdbebengebiete

Das Erdbebenrisiko ist auf der Erde sehr ungleich verteilt. Während es mitten auf den alten Kontinentalplatten meist sehr ruhig zugeht, erstrecken sich entlang der Plattengrenzen ausgedehnte Erdbebengebiete. Etwa 90 Prozent aller Erdbeben (und insbesondere die schwersten Ereignisse) konzentrieren sich entlang des “Pazifischen Feuerrings”.

Pazifischer Feuerring

Der Feuerring trägt seinen Namen nach den zahlreichen Vulkanen, die sich entlang einer rund 40.000 Kilometer langen Linie um den Pazifischen Ozean aufreihen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die Grenze der Pazifischen Kontinentalplatte und einiger angrenzender Erdplatten (Nasca-Platte, Cocos-Platte, Philippinische Platte).

Pazifischer Feuerring / © By Galilea at de.wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons

Pazifischer Feuerring / © By Galilea at de.wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons

Die genannten Platten bewegen sich auf die umliegenden Kontinentalmassen Asiens, Amerikas, Australiens und der Antarktis zu. Und nicht nur das: die Ozeanböden schieben sich ganz langsam unter die Kontinente. Wo die Ozeanböden abtauchen, bilden sich “Tiefseerinnen”, die zu den größten Meerestiefen unseres Planeten zählen. Jenseits dieser “Subduktionszonen” werden die kontinentalen Gebirge immer höher aufgestaucht. Beispielsweise sind die amerikanischen Küstengebirge wie die Anden durch diese tektonische Aktivität entstanden. In anderen Regionen des Pazifischen Feuerrings bildeten sich vulkanische Inselketten.

Das Untertauchen der ozeanischen Erdkruste unter die Festlandskruste ist mit gewaltigen unterirdischen Spannungen verbunden, die Magmakanäle für Vulkane öffnen und starke Erdbeben auslösen können. Betroffene Länder sind unter anderem Indonesien, Philippinen, Japan, USA, Mexiko, Peru und Chile.

Zentral- und Südasien

Eine weitere, sehr wichtige Gefahrenzone liegt nördlich der Arabischen und der Indischen Kontinentalplatte. Beide Erdplatten bewegen sich nordwärts und drücken dabei gegen die riesige Eurasische Platte. Anders als beim Pazifischen Feuerring kollidieren die Erdplatten direkt miteinander und schieben hohe Gebirge auf.

Besonders brisant ist die Nordbewegung der Indischen Platte. Beim Zusammenstoß mit der Eurasischen Kontinentalplatte hat sich bereits das höchste Gebirge der Welt, der Himalaya, aufgetürmt. Nicht nur Nordindien und Nepal müssen daher jederzeit mit Erdbeben rechnen, sondern auch das zentrale und östliche China ist intensiv betroffen: Der gewaltige Druck der Indischen Platte führt zu einem Spannungsaufbau in weit entfernten chinesischen Regionen.

Mittelmeer

Auch das europäische Mittelmeer ist eine tektonisch aktive Region. Auslöser ist vor allem die Afrikanische Kontinentalplatte, die nordwärts gegen die Eurasische Platte drückt. Bei dem komplizierten Zusammenspiel der Kräfte wirken weitere, kleine Erdplatten wie die Ägäische oder die Anatolische Platte mit. Die geologischen Verhältnisse sind noch nicht vollständig geklärt.

Der Druck der Afrikanischen Platte ist im Wesentlich dafür verantwortlich, dass besonders häufig in Italien, Griechenland und der Türkei die Erde bebt. Das westliche Mittelmeer kann sich über eine geringere seismische Aktivität freuen.

Weitere Erdbebengebiete weltweit

Für einige schwere Erdbeben ist auch die Karibische Platte verantwortlich. Das große Beben von Haiti im Jahr 2010 ist noch in schrecklicher Erinnerung. Die Karibische Platte bewegt sich ostwärts, sinkt unter den Boden des Atlantisches Ozeans ab und hat zur Bildung der Inselkette Antillen geführt.

Neben den aufgeführten Erdbebengebieten, kommt es in vielen Teilen der Welt immer wieder zu kleinen Beben. Die Ursache ist meistens der tektonische Spannungsabbau in dem unzähligen kleineren Schwächezonen der Erdkruste. Schwere Erdbeben, die menschliches Leben bedrohen, sind hier aber sehr selten.