Erdbeben in Indien

Vor allem entlang der äußeren Grenzen Indiens kommt es immer wieder zu heftigen Erdbeben. Besonders betroffen sind allerdings der Westen und Norden des „Subkontinents“.

Tektonische Ursachen

Auch im Falle Indiens sind Plattenbewegungen für die Erdstöße verantwortlich. Der Staat Indien liegt fast vollständig auf der nach ihm benannten Indischen Kontinentalplatte. Diese mittelgroße Erdplatte bewegt sich seit Jahrmillionen etwa mit fünf Zentimetern pro Jahr Richtung Nordosten. In Nepal trifft sie auf die Eurasische Kontinentalplatte sowie vermutlich auf die Tibetanische Mikroplatte. Die Tibetanische Platte wurde erst vor wenigen Jahren erforscht.

Dort, wo die Kontinentalplatten gegeneinander drücken, faltet sich der über 8000 Meter hohe Himalaya auf. Allein die Massigkeit diese höchsten Gebirges der Welt deutet auf die gewaltigen Kräfte hin, die in dieser Erdzone herrschen und die schwere Erdbeben in Indien, Nepal und China hervorrufen.

Im äußersten Westen Indiens verläuft die Grenze zur Arabischen Platte. Diese Platte bewegt sich in leicht unterschiedlicher Geschwindigkeit und Richtung wie die Indische Platte. Wenn sich die Plattengrenzen miteinander verhaken, können Erdbeben in Rajasthan und Pakistan entstehen.

Ausgewählte historische Erdbeben

Neben den markierten indischen Beben, treten auch in den Nachbarländern Erdbeben auf, deren Auswirkungen in Indien spürbar sind.

Erdbebenkarte von Indien:


A: Kalkutta (18. September 1737)? – Magnitude 7,6
B: Provinz Gujarat (16. Juni 1819) – Magnitude 8,2
C: Nikobaren-Inseln (31. Dezember 1881) – Magnitude 7,9
D: Kangra (4. April 1905) – Magnitude 8,1
E: Provinz Assam (15. August 1950) – Magnitude 8,5
F: Latur (30. September 1993) – Magnitude 6,2
G: Bhuj/Gujarat (26. Januar 2001) – Magnitude 7,7
H: Provinz Kaschmir (8. Oktober 2005) – Magnitude 7,6
H: Sikkim (18. September 2011) – Magnitude 6,9

Besonders schwere Beben

Die indische Erdbebengeschichte kennt einige Katastrophenbeben mit Zehntausenden Toten. Historisch ungesichert ist das Erdbeben, dass im Jahr 1737 in Kalkutta stattgefunden haben soll (Markierung A). Manche Quellen sprechen von 300.000 Toten – was allerdings ein Mehrfaches der Einwohnerzahl Kalkuttas wäre. Hier sind erhebliche Zweifel angebracht.

Tatsächlich stattgefunden hat das Erdbeben 1905 im Kangra-Tal (Markierung D). Das Tal liegt im Himalaya, im äußersten Nordwesten des Landes und soll mehr als 20.000 Todesopfer gefordert haben. Über 100.000 wurden dabei beschädigt oder völlig zerstört.

Auch im 21. Jahrhundert hatte Indien bereits mit Erdbebenfolgen zu kämpfen. Ebenfalls rund 20.000 Menschen starben im Jahr 2001 in der Provinz Gujarat (Markierung G). Ende 2004 traf der Tsunami, ausgelöst durch das Katastrophenbeben in Indonesien, auch die indischen Küsten und tötete hier etwa 15.000 Einwohner. Das Epizentrum des Kaschmir-Erdbebens von 2005 (Markierung H) lag eigentlich im benachbarten Pakistan, bewirkte aber auch in Indien katastrophale Zerstörungen. Die Gesamtbilanz des Schreckens lautete etwa 100.000 Todesopfer.