Erdbeben im Iran

Kaum ein Land der Welt ist von so vielen tektonischen Verwerfungen durchzogen wie der Iran. Daher können fast in jedem Landesteil heftige Erdbeben auftreten.

Am 12. November 2017 ereignete sich im dünn besiedelten Grenzgebiet zwischen Iran und Irak ein schweres Erdbeben der Stärke 7,3. Nach Schätzungen waren mehr als 400 Todesopfer und Tausende Verletzte zu beklagen. Die größten Zerstörungen gab es auf iranischem Territorium, obwohl das Epizentrum in der Nähe der irakischen Grenzstadt Halabdscha lag.

Tektonische Ursachen

Ursächlich für die diffizile Lage im Iran ist vor allem die Arabische Erdplatte, die sich mit rund zwei Zentimetern pro Jahr Richtung Nordosten bewegt. An der nördlichen Küstenlinie der Persischen Golfes stößt die Arabische Platte gegen die Eurasische Kontinentalplatte, auf der sich der Iran befindet. Durch diesen Zusammenstoß wurde (und wird weiterhin) das Zagrosgebirge aufgefaltet. Auch im Hinterland Irans verlaufen zahlreiche Bergketten parallel zu der Erdplattengrenze.

Erdbeben entstehen nicht nur in der unmittelbaren Konvergenzzone, in der die Erdplatten aneinander stoßen, sondern immer dort, wo sich die Spannungen entladen. Dies geschieht auch Hunderte von Kilometern im Landesinneren.

Ausgewählte historische Erdbeben

Eine gewisse Häufung von Erdbeben ist im Norden des Iran, beispielsweise am Elburs-Gebirge, festzustellen. Die genauen Hintergründe sind wissenschaftlich noch ungenügend erforscht.

Erdbebenkarte von Iran:


A: Ray (15. Juli 850)
B: Damghan (22. Dezember 856) – Magnitude 7,9
C: Ardabil (23. November 893)
D: Khorasan (1101) – Magnitude 6,5
E: Täbriz (18. November 1727)
F: Kashan (7. Juni 1755)
G: Täbriz (8. Januar 1780), wie Markierung E
H: Tabas (16. September 1978) – Magnitude 7,8
I: Rasht (20. Juni 1990) – Magnitude 7,7
J: Bam (26. Dezember 2003) – Magnitude 6,6
K: Halabdscha / Irak (12. November 2017) – Magnitude 7,3

Besonders schwere Beben

Mehrere Zehntausend Erdbebentote sind im Iran leider keine Seltenheit. Die Gründe sind das überall verbreitete Erdbebenrisiko sowie ein instabile Bauweise vieler Häuser. Das Erdbeben von Damghan (Markierung A) aus dem Jahr 856 n.Chr. war womöglich eines der folgenreichsten der Menschheitsgeschichte. Hier im östlichen Elburs-Gebirge starben schätzungsweise 200.000 Menschen. Nur 37 Jahre später ereignete sich laut Überlieferungen bei Ardabil im Nordwest-Iran (Markierung B) eine ähnliche Katastrophe. Das dortige Beben tötete möglicherweise 150.000 Einwohner. Allerdings geben historische Quellen oft stark übertriebene Zahlen an.

Auch in späteren Jahrhunderten traten erhebliche Katastrophen auf. Mehrfach wurde die Stadt Täbriz – nicht weit von Ardabil – getroffen. Im Jahr 1727 (nach anderen Quellen 1721) starben hier vermutlich über 80.000 Menschen (Markierung E auf der Karte). Die Schätzungen zur Opferzahl bergen allerdings auch hier einen sehr hohen Unsicherheitsfaktor.

Im Jahr 1990 bebte die Erde bei Rasht (Markierung I) und forderte bis zu 50.000 Menschenleben. Und auch im 21. Jahrhundert ereignete sich bereits eine schwere Katastrophe: diesmal rund um die Stadt Bam im Südwesten des Landes (Markierung J). Mindestens 25.000 Menschen, nach anderen Schätzungen doppelt so viele, kamen hier ums Leben.