Erdbeben in Nepal

Aktualisiert am 12. Mai 2015: Der Himalayastaat Nepal ist von schweren Nachbeben getroffen worden. Der kräftigste Erdstoß hatte eine Stärke von mindestens 7,3. Wie Experten befürchtet hatten, kommt die Erde in Nepal nach dem Hauptbeben vom 25. April nur langsam zur Ruhe. Während das Epizentrum des Hauptbebens nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu lag, eignete sich das schwere Nachbeben östlich davon. Etliche zunächst beschädigte Häuser sind nun endgültig eingestürzt.

Bis zu 10.000 Tote

Unterdessen ist die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer weiter angestiegen. Über 8000 Menschen sollen bei dem April-Erdbeben insgesamt gestorben sein. Auch die befürchtete Zahl von 10.000 Menschen Opfern ist nicht mehr fern. Noch immer haben die Helfer nicht alle entlegenen Bergregionen erreicht.

Viele Hilfsorganisationen sind vor Ort und brauchen nun Spenden für ihre Arbeit. Auch die Bundesrepublik Deutschland und viele andere Regierungen haben Hilfen in Millionenhöhe zugesagt. Leider läuft die Verteilung der Hilfsgüter nicht optimal, da die nepalesischen Börden ihren Aufgaben offenbar nicht gewachsen sind.

Bisher sind rund zehn Millionen Spendeneuro von Deutschland nach Nepal geflossen (Stand 2015).

Wofür werden die Spenden benötigt?

Viele Menschen brauchen nun eine ärztliche Versorgung, die das unterentwickelte Gesundheitssystem des Landes nicht leisten kann. Die Hilfsorganisationen errichten Notunterkünfte für mehrere Zehntausend Obdachlose, versuchen zerstörte Verkehrs- und Kommunikationswege wieder zu öffnen. Auch die Stromversorgung muss wieder hergestellt werden. Ein kritischer Punkt ist bei derartigen Katastrophen stets die Versorgung mit Trinkwasser. Zwar herrscht in Nepal derzeit kein Mangel an Wasser, es ist allerdings verunreinigt.

Die Lage ist in und um Kathmandu auch deshalb so dramatisch, weil die Region dicht mit einfachen, instabilen Häusern bebaut ist. Wie befürchtet worden war, haben viele dieser Gebäude der Erdbebenwelle nicht Stand halten können. Etwa 200.000 Häuser sollen alleine in Kathmandu zerstört oder stark beschädigt worden sein. Eine erdbebensichere Bauweise konnten sich die meisten Einwohner Nepals nicht leisten und mussten nun mit ihrem Leben oder ihrer Gesundheit dafür bezahlen.

Schäden und Opfer auch in Nachbarländern

Zur Nebensache gerät, dass auch viele bedeutende Kulturdenkmäler vom Erdbeben vernichtet wurden. Der Dharahara-Turm in Kathmandu und die historischen Bauten des Durbar-Platzes sind eingestürzt. Am Mount Everest sind Lawinen abgegangen und haben einige Bergsteiger unter sich begraben. Deutliche Auswirkungen des Bebens waren (Hunderte Kilometer entfernt) zudem in den Nachbarländern China, Indien und Bangladesch spürbar.

Aller Dramatik der aktuellen Ereignisse zum Trotz: Hätte das Epizentrum einige Kilometer weiter in Richtung Kathmandus gelegen, wären nun vermutlich noch mehr Opfer zu beklagen. Gerade das fruchtbare Kathmandutal ist dicht besiedelt. Wir werden die Lage weiter verfolgen und bitte Sie, die betroffenen Menschen mit einer Spende zu unterstützen.

Allgemeine Informationen zu Erdbeben in Nepal

Nepal liegt mitten in einer der aktivsten Erdbebengebiete der Welt. Statistisch etwa alle 100 Jahre gibt es dort ein zerstörerisches Beben. Die historische Quellenlage zu früheren Jahrhunderten ist allerdings dünn.

Tektonische Ursachen

Die Grenze zwischen der Indischen Kontinentalplatte und der Tibetanischen Erdplatte verläuft unmittelbar durch Nepal. (Bevor die Existenz der Tibetanischen Platte wissenschaftlich untermauert wurde, galt das tibetanische Hochland als Teil der Eurasischen Kontinentalplatte.) Hier befindet sich die Erdkruste in einem extrem ausgeprägten Prozess von Verschiebung und Deformation.

Im Bereich von Nepal schiebt die Indische Platte mit der sehr hohen Geschwindigkeit von fünf Zentimetern jährlich Richtung Norden und Nordosten. Dort wo die Platten zusammenstoßen, faltet sich – begleitet von Erdbeben – die Erdkruste immer weiter auf. Das Ergebnis lässt sich in der Topographie des Landes ablesen: In dem Himalaya-Staat liegen rund 50 Berggipfel von mindestens 7000 Metern Höhe.

Ausgewählte historische Erdbeben

Gerade bei lange vergangenen Erdbeben fällt die genaue Lokalisation des Epizentrums sehr schwer. Die Quellenangaben sind oft vage – auch deshalb, weil die Bergregionen nur dünn besiedelt waren. Dennoch gilt es als sicher, dass Nepal von zahlreichen schweren Beben erschüttert wurde. So gibt es Hinweise auf katastrophale Ereignisse in den Jahren etwa um 1125, 1255, 1408, 1505, 1767, 1808 und 1833.

Erdbebenkarte von Nepal:


A: Nordosten Nepals (15. Januar 1934) – Magnitude 8,1
B: Grenze zu Bihar/Indien (21. August 1988) – Magnitude 6,8
C: Sikkim/Indien (18. September 2011) – Magnitude 6,9 – D: Lamjung bei Kathmandu (25. April 2015)

Schwere Beben im 20. Jahrhundert

Im Jahr 1934 lag das Epizentrum eines Erdbebens in der Nähe des Mount Everest (Markierung A). Das Beben zerstörte rund 80.000 Häuser in Nepal und Indien und tötete über 10.000 Einwohner. Schwer getroffen wurde insbesondere das Kathmandutal, benannt nach der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.

Ursprünglich war spekuliert worden, dass das nächste schwere Erdbeben in dieser hoch gefährdeten Region mehr als „nur“ einige Tausend Opfer fordern würde. So betrachtet, ist die Katastrophe vom 25. April (Markierung D) sogar unterhalb des schlimmsten Szenarios geblieben. Der Hauptgrund der düsteren Prognose war, dass sich die Bevölkerungszahl im Großraum von Kathmandu seit den 1930er-Jahren vervielfacht hat (auf über 2 Millionen). Zudem ist die vorherrschende Bauweise alles andere als erdbebensicher. Nepal ist eines der ärmsten Staaten der Welt und kann aus eigener Kraft kaum Investitionen in Schutz- oder Vorsorgemaßnahmen vornehmen. Daher sind viele Bauwerke – Kartenhäusern gleich – eingestürzt.

Es bleibt nun zu hoffen, dass das aktuelle Erdbeben inklusive der zahlreichen Nachbeben die aufgestaute Energie zwischen den beiden Erdplatten für die nächsten Jahrzehnte deutlich abgebaut hat. Für die Opfer des 25. April ist dies sicherlich kein Trost, aber kommende Generationen haben nun vielleicht die Chance, sich für die nächste (unausweichliche) Katastrophe besser zu wappnen. Dabei können auch die Spenden der internationalen Solidargemeinschaft helfen.